Virtual Production Demo meets demands

Amsterdam – Im Vorweg wurde mit zirka 60 bis 80 Interessenten gerechnet. Tatsächlich gekommen sind in der Woche vom 24. bis einschließlich 28. Februar ganze 220 Besucher

Fünf Tage lang wurde Gästen aus den Sparten Kino-, Fernseh-, Werbespot-, VFX- und Dramaproduktion ein Einblick in die anspruchsvollen Möglichkeiten von Faber Audiovisuals Virtual Production geboten. Das Ganze fand im Rahmen eines Einführungsworkshops, persönlicher Gespräche mit Partnern und zwei Sets mit Live-Präsentationen konkreter Anwendungen statt.

Virtual Production
„Wir begeben uns mit der Filmindustrie auf ein relativ neues Terrain“, erläutert Jasper Reijgers, Sr. Executive Streaming, TV & Film, die Initiative. „Vor kurzem haben wir mit der Produktion der Netflix-Serie „Nightflyers“ erste Erfahrungen gesammelt. Dabei wurden anstelle der bekannten Greenscreen-Technik Digitaltechniken eingesetzt. Diese Techniken haben wir in den letzten Jahren ausgiebig erprobt und ihnen den Feinschliff verpasst.“ Das hat einschneidende Änderungen im Produktionsprozess zur Folge, da dadurch physische Objekte – wie etwa Autos und Schauspieler – und Kamerabewegungen mithilfe herausragender Rendering-Lösungen in Echtzeit zu computergenerierten Bildern zusammengefügt werden können. „Das wird zweifelsohne zu einer Verschiebung von der Postproduktionsphase – in der bisher im Nachhinein verschiedene Änderungen an den Greenscreen-Aufnahmen vorgenommen wurden – zur Präproduktionsphase führen. Jetzt finden nämlich die Vorbereitungen und der kreative Part viel häufiger im Vorfeld statt.“

Lösungen
Es erfordert kein großes Vorstellungsvermögen, um sich zu realisieren, welche produktiven -und damit auch finanziellen – Vorteile sich damit erzielen lassen. „Stellen Sie sich nur mal vor“, fordert Kollege Nils Pauwels, Sales Manager Solutions, die Zuhörer auf: „Sie wollen irgendwo mitten in Amsterdam sowohl im Freien als auch in einer Wohnung eine Szene drehen. Dazu müssen vorher eine Location gesucht, – in der Hauptstadt übrigens sündhaft teure – Parkplätze organisiert, die Straße von anderen Parkplatzsuchenden, aber auch von Touristen und störenden Radfahrern freigemacht und -gehalten werden. Von dem bleischweren Equipment, das über steile Holztreppen zum Drehort geschleppt werden muss, mal abgesehen und von schlechtem Wetter mal ganz zu schweigen. Der Vorbereitungsaufwand ist also alles andere als optimal. Mit Virtual Production gehört das alles der Vergangenheit an. Denn unter anderem dank der jetzigen Möglichkeiten mit Echtzeit-Rendering umfasst die Filmproduktion heute alles: vom Dreh über Skriptanpassungen bis hin zum Editing, und zwar alles gleichzeitig in einer vollständig kontrollierten Umgebung – dem Studio. Damit werden Film- und Fernsehmachern, Visual-Effects-Spezialisten, Licht- und Tontechnikern, Regisseuren und Schauspielern sehr viele Sorgen abgenommen. Sie können sich voll auf das Ergebnis konzentrieren.

Interaktion
Was die Schauspieler betrifft, werden ihre Leistungen am virtuellen Filmset eine völlig neue Dimension bekommen. Sie interagieren nämlich direkt mit der Umgebung und was der Regisseur sieht, ist das, was er bekommt. Diese Umgebung lässt sich übrigens mit einer einfachen Berührung des iPad-Displays komplett verändern: Wetter, Licht, Farbtemperatur – alles ist möglich. Außerdem bewegen sich Sichtlinien problemlos mit der gewählten Kameraperspektive mit. Bei den Demo-Tagen hat Faber Audiovisuals gemeinsam mit ihren Partnern zwei Sets aufgebaut. Dazu Reijgers: „Den Workshop haben wir vor zwei rechtwinklig aufgestellten Leinwänden präsentiert. Darauf haben wir bei der Präsentation die Kulisse eines Raumschiffs projiziert. Während Nils dort während seiner Erläuterung umherging, war zu sehen, wie sich seine veränderliche Position problemlos an den Blickwinkel zur Kulisse angepasst hat.“ Beim zweiten Rig wurde ein BMW vor und unter einer LED-Videowand positioniert. Auf der Fahrerseite stand eine dritte, kleinere LED-Wand. „Die Kamera, die wir benutzt haben, stand auf einem Dolly, so dass wir damit auf der Fahrerseite des Autos entlangfahren konnten. Auf den seitlichen LED-Wänden wurde – wahlweise – eine Ladenstraße oder Brücke gezeigt, an der man vorbeifährt. Die obere Videowand sorgte unter anderem für Reflexionen auf der Frontscheibe des Autos.“ Das so zusammengestellte Bild ist verblüffend realistisch; als ob man mit Vollgas durch eine neonbeleuchtete Ladenstraße oder über eine lange Hängebrücke rast.

Neugier
Genau das ist der Aspekt, der offenbar die Neugier insbesondere von Regisseuren und Kameraleuten weckt. Kameramann Guido van Gennep, interessierter Besucher am 25. Februar, erkennt die Vorteile sofort: „Ich habe noch nie gesehen, wie das live in echt funktioniert“, sagt er. „Eine der schwierigsten Filmszenen ist immer die mit fahrenden Autos. Dabei kann so viel schiefgehen.“ Er sagt der Virtual Production ohne Vorbehalt eine große Zukunft voraus und überlegt schon ernsthaft, diese für das Projekt einzusetzen, an dem er derzeit arbeitet. Mark van Aller, der für die Kameraarbeit für Serien wie „Die fliegenden Holländer“ und „Judas“ verantwortlich war, glaubt an die Veränderungen, die durch moderne Digitaltechniken anstehen: „Und das, auch wenn mir die fotorealistische Qualität der Projektionen noch etwas Sorge bereitet. Da besteht noch Handlungsbedarf. Ein fiktives Raumschiff ist eine Sache, eine exakte Wiedergabe der Realität die andere.“ Für den Lichtexperten Zen Bloot war die Materie nicht neu, wie er sagt: „Aber es war gut, das alles unter Einsatz der neuesten Techniken in Aktion zu sehen. Ich bin davon überzeugt, dass diese zu einschneidenden Änderungen auf meinem Fachgebiet führen werden. Dafür wird eine neue, anders ausgebildete Generation an Lichttechnikern nötig sein.“

Partner
Die Virtual Production Demo-Tage kamen in Zusammenarbeit mit Amsterdam Studios (Location), Stype (Camera Tracking), Brompton (LED Screen Processing), Disguise (Video Playout) und HighRes (Digital Lighting), By Lex und NEP Hilversum zustande.

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[SPECIAL] Faber Audiovisuals Virtual Production Demo

Amsterdam